Functional Training

Wann sind Übungen funktionell?

Von Ajita Alexandra Gobrecht, veröffentlicht am , gekennzeichnet mit Functional Training und funktionelles Training

Deep Squat

Functional Training ist mehr als ein Trend - es ist eine gesunde und nachhaltige Art und Weise, seine Stabilität, Kraft, Beweglichkeit, Mobilität, Koordinationsfähigkeit und Propriozeption (Körperbewusstsein) sowie Ausdauer und Schnelligkeit zu trainieren bzw. zu verbessern. Funktionelles Training umfasst komplexe Bewegungen, die mehrere Gelenke und Muskelgruppen gleichzeitig beanspruchen - genau für solche Bewegungsabläufe ist der Mensch gemacht, sie sind alltagsnah und machen das Training so effizient.

Ursprung

Functional Training entstand bereits in den 1980er Jahren in der Sportmedizin bzw. Rehabilitation von Verletzungen und Erkrankungen. In den USA wurde und wird es erfolgreich im Spitzensport eingesetzt, spätestens seit der Amerikaner Mark Verstegen sein Trainingskonzept Core-Training entwickelte. Ein lesenswertes Buch zum Thema Core Training ist: Mark Verstegen und Pete Williams, Core Performance, riva Verlag München, 12. Auflage 2017. Jürgen Klinsmann lud Mark Verstegen 1996 nach Deutschland ein, um die deutsche Nationalelf nach seinem Konzept trainieren zu lassen.

Definition

Nach Gray Cook, einem kanadischen Physiotherapeuten und Strength Coach, sind Übungen funktionell, wenn sie den Trainierenden funktioneller machen, d.h. wenn der Mensch durch die Übungen befähigt wird, seine Aufgabe besser zu erfüllen. Funktionelles Training ist zweckgebundenes Training, sagt Functional Training Legende Michael Boyle. Es bereitet einen Athleten auf das Ausüben seiner Sportart vor. Und Übungen, die einen verletzten Athleten wieder gesund machen, können auch die besten Übungen zum Erhalten bzw. Verbessern seiner Gesundheit sein, so Boyle. Functional Training nutzt sowohl dem Beachvolleyballprofi, um seine Sprunggelenke vor Verletzungen zu schützen und seine Leistung zu steigern, als auch dem Büromenschen, der seine Rückenschmerzen damit in den Griff bekommen möchte.

Grundgedanke

Die Bewegungsqualität steht bei diesem Trainingskonzept immer im Vordergrund. Funktionelles Training trainiert Bewegungen, nicht einzelne Muskeln. Bei menschlichen Bewegungsabläufen interagieren verschiedene Muskeln, um die in Wechselbeziehung zueinander stehenden Gelenkgruppen zu bewegen. Der Physiotherapeut und Functional Trainer Gary Gray nennt dieses Bewegungsmodell der funktionellen Anatomie kinetische Ketten, also Bewegungsketten. Um es mit einem britischen Neurologen, der von 1835 bis 1911 lebte, auf den Punkt zu bringen:

Das Gehirn kennt keine Muskeln. Es kennt nur Bewegungen.

John Hughlings Jackson

Beispiele für funktionelle Übungen

Nach so viel Theorie folgen nun einige Beispiele für klassische funktionelle Übungen:

  • Kniebeugen (Squats)
  • Ausfallschritte (Lunges)
  • Kreuzheben (Deadlifts)
  • Drücken/Stoßen (Pushs)
  • Ziehen (Pulls)
  • Drehungen (Twists)
  • Einarmiges Tragen (Farmers Walk)
  • Drehungen von der Bauch- in die Rückenlage und wieder zurück
  • Gehen und Laufen (so einfach und so komplex ;-)

Vorteile

Funktionelles Training ist effizient, zeit- und platzsparend und benötigt keine teuren Geräte. Du kannst es überall ausüben, auch zu Hause oder draußen auf der grünen Wiese. Du kannst mit unzähligen Hilfsmitteln wie Kettlebells oder TRX (Schlingen) trainieren oder auch nur mit Deinem eigenen Körpergewicht. Es gibt unendlich viele Übungen sowie Möglichkeiten, die Übungen abzuwandeln und an verschiedene Leistungsstufen anzupassen: Regressionen machen eine Übung leichter und zugänglicher, Progressionen steigern ihre Intensität und Schwierigkeit. Es wird garantiert nicht langweilig.
Functional Training ist eine wunderbare Ergänzung zu Deiner spezifischen Sportart. Es ist aber auch gut geeignet als einiziges effizientes Sportprogramm in einem ohnehin schon vollgepackten Alltag. Zwei Trainingseinheiten pro Woche sind völlig ausreichend. Spür- und messbare Effekte erzielt man schon nach wenigen Trainingstagen. Und wenn sich erst einmal dieses wunderbare Körpergefühl nach dem Functional Training einstellt, fällt es einem auch nicht mehr schwer, sich für die nächste Session zu motivieren.

Fazit

Da funktionelles Training wesentlich komplexer als klassiches Krafttraining an Geräten ist, brauchst Du einen guten Trainer. Such Dir einen Kurs bei jemandem, der entsprechend qualifiziert ist oder investiere in einige Einheiten Personal Training. Bleibe bei jeder Traingseinheit achtsam und konzentriert - Functional Training lebt von der präzisen und bewussten Ausführung. Lege Wert auf eine individuelle Anpassung der Übungen an Dich und Deine Bedürfnisse, denn das macht ein gutes funktionelles Training aus. Genau davon würden auch die Yoga Asanas und die Yoga Community sehr profitieren.

Zuletzt geändert am 2. Oktober 2019, Du kannst diesen Beitrag via Email kommentieren

Sakshi Bhava